Echt? "Lena" geht Euch auch auf die Nerven? Dann lest mal:

"Wie geil ist das denn?"

Lena Meyer-Landrut fragt, Jan Böhmermann antwortet.

Liebe, süße, unschuldige Lena (ohje, sieben Wochen jetzt.de-Kolumne und ich franzjosefwagnere schon) es ist einfach nur irre, supergeil! Heute, knapp zwei Monate nach Oslo, ist es schon hammer, wie Dein ultrakrasser Sieg beim Eurovision Songcontest mein Leben verändert hat:  gar nicht.
Und, Lenchen, hätte ich Dich nicht eben im Radiointerview gehört, hätte ich geglaubt, Du gingest jetzt zur Popakademie bzw. Schauspielschule bzw. Perfektes Promidinner bzw. wo man als Grand-Prix-Siegerin halt so hingeht, wenn der große Rummel vorüber ist. Du machst gerade „internationale Promo“. Glückwunsch dazu, Lena, Du hast aber auch alles richtig gemacht. Hast Dich voll off-mainstreamig vor keinen Karren spannen lassen – also, außer vor Stefan Raabs – und dann bist Du mit Deinem sweeten, oberstufenschlauen Theater-AG-Charme beim hippen Undergroundgesangswettbewerb von Deutschlands unangepasstestem Teeniesender „Das Erste“ krass durchgestartet. Freu! Grins! Im besagten Rundfunkgespräch gestandest Du der lauschenden Öffentlichkeit, dass Du Deinen quietschigen Kult-Hit „Satellite“ mittlerweile auch voll nicht mehr hören könnest.
So, Frau Meyer-Landrut, fing das bei Westernhagen auch an. Herrn Müller-Westernhagen. Versteh’ mich nicht falsch, Lena, ich finde Dich voll ultrasüß und hab’ Dir bei USFO festefeste die Däumchen gedrückt, und so! Ich will gar nicht böse absingen oder mit dem dieser Kabarettkolumne eigenen, köstlich-feinen Loriot-Humor augenzwinkernd nachtreten. Wäre ja auch viel zu spät. Ich verpack’s mal mehr so lebensweisheitsmäßig, so als Ratschlag – auch wenn ich nicht der Stefan bin: Wusstest Du, dass es ein Fehler sein kann, keine Fehler machen zu wollen? Keine Sorge, dass, Lena, Pimp Raab den Münsteraner Studententrotteln „Uwu-Lena“ nicht zivilrechtlich die Verstärker abgedreht hat, und Du im Interview fröhlich „Schland, oh, Schland“ mitträllertest, will ich Dir mal nicht verübeln. Da schaue ich eher kopfschüttelnd nach Münster und frage mich, was um Himmels Willen aus dem einst so angesagten Akademikermekka geworden ist? Im Ernst, Münster, „Uwu-Lena“?!
Du, Lena, weißt es ja wahrscheinlich selber: Stimme zwei minus, Album zwei minus, Gelaber zwei minus. Aber das war immer egal, denn Du, Lena, hattest trotz selbst ausgedachten englischen Akzents das Zeug neben Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt die zweite sympathische Konstante im Doppelnamenmilieu zu werden. Aber, nee, seit gerade eben weiß ich voll for sure: alles zu extra gemacht, zu viel Absicht, zu groß und dick, die coole Friedrichshain-Fensterglasbrille, irgendwie. Mehr so Meyer-Wölden, Müller-Westernhagen. Leni-Schnucki, die Wirklichkeit ist doch keine Theater AG und echtes Publikum besteht nicht aus Eltern und Klassenkameraden. Da muss mehr kommen! Was sagt denn der Stefan dazu? Wenn’s so bleibt, Lena, schlage ich vor, dass wir uns in zwanzig Jahren wiedersehen. Ich Zuschauer, Du Gast bei „3nach9“ (natürlich noch immer mit Giovanni di Lorenzo – schöner denn je!). Deutschland wird dann zwanzig Jahre nicht mehr den Eurovision Songcontest gewonnen haben. Und Du könntest nochmal erzählen, wie irre und geil das damals alles war: Wie geil war das denn?

Quelle: www.jetzt.sueddeutsche.de

So ist er , der Gröhlemeyer:

Schffsvrkhr

Konsonanten wie kleine Winterkartoffeln: Herbert Grönemeyers neues Album

Herbert Grönemeyers Markenzeichen ist dieses konsonantische Singen: Vokale möglichst kurz hervorstoßen, Konsonanten in all ihrer verdammt ehrlichen Härte ausstellen. Sodass ihm die Wörter beim Singen wie kleine Winterkartoffeln aus dem Mund kollern: nahrhaft, hart und erdverbunden. Wobei das bei ihm anders klingen würde, eher so: Hartmwind. Nll Kmprmsse!

Praktisch an diesem Hackdeutsch ist, dass man darin ohne weiteres „Gott“ auf „Boot“ reimen kann. Schlecht daran ist, dass sich schon nach den ersten Zeilen der neuen CD „gefüllte Segel“ in „gefüllte Säckl“ verwandeln, was dem Pathos doch ein wenig abträglich ist, gefüllte Säckl klingen nämlich nach schwäbischen Krämerseelen statt nach dem cinemascopisch weiten Pophimmel, in den alle Grönemeyer-Songs zielen, allen voran dieses erste, das dem Album seinen Titel gibt: Schffsvrkhr, pardon, „Schiffsverkehr“.

Passend zum Titel hat Grönemeyers Plattenfirma EMI vor ein paar Tagen 200 Journalisten zu einer Schifffahrt durch Berlin eingeladen, auf der dann das Album vorgespielt wurde. Jetzt gibt es 200 Texte, in denen Berliner Stadtimpressionen gegen die Texte des Albums, Grönemeyers professionell sympathischen Auftritt und den mal respektvoll geraunten, mal ironisch zwinkernden Hinweis geschnitten werden, das Album sei in den Abbey Road-Studios (Beatles), im New Yorker Electric Lady (Hendrix), den Berliner Hansa Tonstudios (U2) und dem Mono Music Studio, das dem Ex- Abba Benny Anderson gehört, entstanden.

Um es deutlich zu sagen: Herbert Grönemeyer ist einer der nettesten Pfundskerle im ganzen Land. Er unterstützt vernünftige Projekte, wofür er keinerlei Häme, sondern schlichtweg Respekt verdient. Und sein Grönland-Record-Label ist eines der spannendsten Musikprojekte unserer Tage. Herbert Grönemeyer gehört seit 30 Jahren zur popkulturellen Hintergrundstrahlung dieses Landes, ja mit seinem Album „Mensch“, auf dem er den Tod seiner Frau verarbeitet hat, ist er zum Ecce Homo des deutschen Pop, zur unantastbaren Ikone geworden. Vielleicht hatte deshalb keiner seiner Freunde den Mut, ihm zu sagen, dass das neue Album nix taugt.

Mit dem Titelsong „Schiffsverkehr“ geht er erst mal mit vollen Segeln beim Deutschrock vor Anker. Gitarren in Nietenhosen, kernig dickes Schlagzeug, Synthie, alles auf die Eins, und der Text wird rausgepresst, als würde er die Stimmbänder nachts in einer Roth-Händle-Packung einlegen. Alles in allem klingt das, als gehe Grönemeyer als Marius Müller-Westernhagen in den Fasching.

Eigentlich ist das ganze Album dann eine Art musikalischer Faschingsumzug. „Kreuz meinen Weg“ unterlegt das ganzheitliche Grönemeyer-Pathos mit dem massiven Druck von Rammstein . Ansonsten gibt es Gipsy-Kings -Klatschen, Salsarhythmus, Gunter Gabriel, Rock Symphonies, einige Songs schunkeln dahin wie Circus Krone im Nachmittags-ZDF, und jetzt mal alle mitsingen: „Monotonie / ist wie ein Schuss ins Knie / und weiter bringt sie einen nie“.

Viele Zeilen klingen in ihrem Durchhaltewillen, als seien sie aus einem Motivationsseminar stramm durchmarschiert in das jeweilige Lied. Dann wieder sollen mit dem Grübeldübel die ganz dicken Bretter gebohrt werden. Auf dem Promo-Schiffsausflug sagte er auf die Frage, welche Erfindung der Welt noch fehle: „Ein selbst textendes Computerprogramm“. Seltsam, dabei klingt das Album doch haargenau nach solch einem lyrischen Autopiloten: „Die Welt ist forsch und auch gemein / Das Leben könnt nicht besser sein.“ Oder das hier: „Ohne Regel kein Verkehr / Es kommt ein Licht von irgendwoher.“ All das singt Grönemeyer, ohne auch nur einmal mit dem Geklimper zu zucken. Als Wilhelm-Busch-Paraphrase würden solche Reime ja durchgehen, wenn sie aber im Brustton männlicher Überzeugung daherkommen, weiß man, warum mittlerweile von Wiglaf Droste bis Hagen Rether fast alle Kabarettisten eine Grönemeyernummer im Programm haben.

Zwischenrein gibt es drei Balladen, für die ist man dankbar, denn da ist Grönemeyer bei sich, zumindest zu Beginn, wenn er am Klavier die eingängig-schlichten Melodien hinblättert. Aber dann hebt das jedes Mal ab, als hätten er oder sein Produzent einen emotionalen Horror Vacui, los, Geigen dazu, Terz drüber singen, jetzt pack da mal noch ein Pfund Celli drauf, und am Ende hat sich das derart hochgeschraubt, als würde ein Kamerateam im Hubschrauberrundflug noch mal über die Melodie drüber. Nach der dritten instrumental überzuckerten Ballade fühlt man sich, als hätte man Karies auf der Seele, und am Ende drängt sich geradezu schmerzlich die Frage auf, die sich laut Grönemeyer im Interview mit der Zeit „alle meine Hörer stellen müssen, wenn das neue Album draußen ist: Was soll denn das jetzt sein?“

Quelle: SZ, 18.03.11

Gestresst? Genervt? Aus der Spur?   Der richtige Soundtrack dazu (nur für Erwachsene!!!): 

                                               Bohren & der Club of Gore

 Meine allererste Begegnung mit dem Club of Gore fand in den Räumlichkeiten einer auf Unterhaltungselektronik spezialisierten Händlerkette statt. Genauer gesagt bei den unter "Dance" einsortierten Compact Discs. "Hm, das ist mal ein Bandname, gehören die nicht in die Grunztütenecke?", schoss es mir durch den Kopf. Nein Mann, der Club spielt in einer Liga für sich. Dessen Selbstbeschreibung lautet "Horror Jazz". Klingt auf den ersten Blick recht plakativ, ist jedoch eine Einschätzung, die ihrer Musik sehr nahe kommt. 
Rein instrumental verbreiten Bohren und der Club of Gore eine Stimmung mit einem Faible für das Mysteriöse und Zwielichtige. Black Earth. Ein typischer Novembertag geht zu Ende, es wird allmählich zappenduster, der schwarze Kater schnarcht. Fröstelndes Schauern, der Atem wird sichtbar und die Wanduhr scheppert zur vollen Stunde.
Midnight Black Earth. Arschkalt da draußen, Nebelschwaden kriechen umher, türmen sich auf zu schier undurchdringbaren Mauern. 
In einem Mal, gänzlich unvorbereitet, schreckt der Körper zusammen, wenn der tief doomige Kontrabass einsetzt in den Rhythmus des schleppend langsamen, mit dem Besen gespielten Schlagzeugs. Der Bass geht durch Mark und Bein, umklammert Dich mit festem Griff. Mami. Kein Entkommen. Mein Gore, äh Blut stockt. Eine unglaubliche, kriechende Schwere macht sich breit. Maximum Black. In einem Scénario extraordinaire, umrandet von Totenkopf & Konsorten erzeugen Fender Rhodes und Mellotron eine Düsternis im Sensenmann-Format. Grave Wisdom auf großer Fläche. Willkommen, der Eintritt in den Hades, die dunkle Schattenwelt ist heute mal für umme. 

Undefinierbare Gestalten huschen umher, knöcherne Stolperfallen, Skeletal Remains, zieren den Weg der Särge an den Ort ihrer Bestimmung, den die formvollendet samtschwarzen Klänge des Saxophons begleiten bzw. umgeben. The Art of Coffins eben oder wenn die Gondeln Trauer tragen. Wo andere ihre Instrumente malträtieren und bemüht evil ins Mikro röcheln, zeigen Bohren und der Club of Gore wie man gekonnt mit wenigen schlichten Mitteln, ohne Pentagramm und sonstigen Kokolores, eine authentische Atmosphäre der Finsternis schaffen kann, die auch Alptraum-Fredi von der Elmstraße gut zu Gesicht stünde. Gute Nacht.
www.laut.de

CDs: 'Sunset Mission', 'Midnight Radio', 'Black Earth'.  www.http://www.youtube.com/watch?v=W2zkN74s72M Ich weiß nicht, was das mit Euch macht, mich.............

Und was sagt Lemmy dazu? Eine Konzertkritik.

Auch Lemmy hat mal Geburtstag! Dazu eine kleine Hommage: Kilmister

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